Luftbilder von den Gleisanlagen zum Görlitzer Bahnhof im Bereich der Grenzanlagen


Mit der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde nicht nur die Stadt in zwei Hälften getrennt, auch die Betriebsnetze von U- und S-Bahn sowie die Kanalisation wurden zerschnitten. Da der Verlauf der Mauer sich größtenteils an den Stadtbezirksgrenzen orientierte, kam es zu (heute kurios anmuteten) betrieblichen Verhältnissen, die damals den Bediensteten und Verantwortlichen gar manch unruhige Nacht beschert haben dürften.

Bekanntestes Beispiel ist im Bereich der Berliner S-Bahn der S-Bahnhof Wollankstraße, der im Ostberliner Stadtbezirk Pankow lag, aber nur von Westberlin her zugänglich war. Weniger bekannt ist die Gleisverbindung vom Güterbahnhof Treptow zum Görlitzer Bahnhof. 33 Jahre - bis zum 30. Juni 1985 - wurden hier, behindert durch ein umständliches Procedere, Bedienungsfahrten durch die Deutsche Reichsbahn (DR) absolviert. Während die beiden Güterbahnhöfe im Westteil der Stadt lagen, befand sich das ca. 1,5 Kilometer lange Verbindungsgleis im Ostberliner Stadtbezirk Treptow. Gemäß der Gepflogenheiten des Grenzregimes wurde nun bei jeder - immer anzumeldenden - Bedienfahrt eine "Eingangs-" und "Ausgangskontrolle" durchgeführt - welch ein Aufwand bei einer solchen einfachen Rangierfahrt! Nach der erfolgten Kontrolle besetzten Transportpolizisten der DR diese Fahrt von einem Grenztor zum nächsten. Was heute kurios anmutet war damals eine ernste Angelegenheit in einer Stadt, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stets im Interessenkonflikt der alliierten Siegermächte stand.

Bilder von diesen Bedienungsfahrten sind kaum vorhanden, ebenso Bilder von der Gesamtsituation in diesem Bereich. Im Jahre 1982 war Uwe Franke als Zivilbediensteter bei den amerikanischen Alliierten angestellt und arbeitete als Mechaniker an deren Flugzeugen und Hubschraubern. Trotz seiner guten Kontakte zu den Piloten blieb es ihm verwehrt, bei einem alliierten Kontrollflug als stiller Beobachter mit in der Maschine zu sitzen. Eines Tages im Jahre 1982 erbarmte sich schließlich einer der Piloten und ließ sich Frankes Fotoapparat mitgeben. Der Soldat hielt nun mit der Kamera die Grenzsituation im Bereich des Treptower Kreuzes und Görlitzer Bahnhofes fest. Uwe Franke hat uns gestattet, diese Bilder zeigen zu dürfen.

Ein Teil der Bilder ist mit Erklärungen hinterlegt. Einen Gleisplan, der sehr detailliert die Ausmaße und Gleisanlagen des betreffenden Bereiches zeigt, finden Sie hier.

Ein Hinweis in eigener Sache:
Die Begrifflichkeit "Treptower Kreuz" ist keine eisenbahntypische Bezeichnung analog dem "Grünauer Kreuz" oder dem "Biesdorfer Kreuz". Diese Wortschöpfung wurde von uns nur zur besseren Kennzeichnung des Projektes gewählt.


Ansicht ohne Erklärung
Ansicht mit Erklärung

Vom Güterbahnhof Treptow (rechts außerhalb des Bildes) verkehrt die Güterstrecke nach dem Passieren der Berliner Mauer auf einer Länge von ca. 1,5 Kilometern durch Ostberlin, um nach dem Überqueren des Landwehrkanals wiederum Westberlin zu erreichen. Der orangefarbene Pfeil kennzeichnet das Betriebsgelände des Werkes für Signal- und Sicherungstechnik Berlin (WSSB), dem einzigen Hersteller in der DDR für Signal- und Sicherungsanlagen. Im Vordergrund die Mauer an der Heidelberger Straße.
Farblegende: rot = Grenzanlagen; grün = S-Bahn; gelb = Fernbahn; blau = Güterverkehr von/zum Görlitzer Bahnhof


Bild: Treptower Kreuz 2

Blick auf das in Ostberlin liegende Kreuzungsbauwerk, durch das der Fernverkehr mit der S-Bahn die Gleislagen tauscht.


Ansicht ohne Erklärung
Ansicht mit Erklärung

Rechts unten im Bild der nördliche Teil der Gleisanlagen des Güterbahnhofes Treptow.
Farblegende: rot = Grenzanlagen; grün = S-Bahn; gelb = Fernbahn; blau = Güterverkehr von/zum Görlitzer Bahnhof


Bild: Treptower Kreuz 4

Sechs Gleise überquerten bis zum August 1961 diese Brücke. 1982 zum Zeitpunkt der Aufnahme gab es nur noch ein Gleis.


Bild: Treptower Kreuz 5

In der Bildmitte links oben der S-Bahnhof Treptower Park, gleich darüber die Spree.


Ansicht ohne Erklärung
Ansicht mit Erklärung

Quer durch das Ostberliner Wohngebiet verläuft die Streckenführung zum Görlitzer Bahnhof.
Nach dem Passieren des Mauerstreifens und des Landwehrkanals wird das Areal des Görlitzer Bahnhofes (gelb eingerahmt) erreicht.
Farblegende: rot = Grenzanlagen; grün = S-Bahn; gelb = Fernbahn; blau = Güterverkehr von/zum Görlitzer Bahnhof


Bild: Görlitzer Bahnhof 2

Blick von Westberlin nach Osten. Das Flugzeug befindet sich nördlich des Areals des Görlitzer Bahnhofes.


Ansicht ohne Erklärung
Ansicht mit Erklärung

Nach ca. 1,5 Kilometern erreicht die Güterstrecke das Areal des Görlitzer Bahnhofes. Nach dem Passieren der Beschaubrücke (orangefarbener Pfeil) öffnete sich das Grenztor und nach Überfahrt des Landwehrkanales befand sich die Rangierabteilung wieder auf Westberliner Gebiet im amerikanischen Sektor.
Der rote Pfeil kennzeichnet das Areal des alten Bahnbetriebswerkes. Der grüne Pfeil zeigt auf ein Gebäude des VEB Steremat "Hans Schlimme" - Werk II. Diese Firma war ein "Gemischtwarenladen". Sie stellte u.a. her: Kristallzüchtungsanlagen für die Halbleiterindustrie, Drehzahlmesser für die Deutsche Reichsbahn, Wickelpistolen zur Verdrahtung von Elektronikschränken. Desweiteren produzierte sie unter dem Tarnnamen "Schiffselektronik" Abhör- und Dechiffrieranlagen für das Ministerium für Staatssicherheit.
Farblegende: rot = Grenzanlagen; grün = S-Bahn; gelb = Fernbahn; blau = Güterverkehr von/zum Görlitzer Bahnhof


Weiterführende Artikel zum Thema Görlitzer Bahn (innerhalb Stadtschnellbahn-Berlin.de)

Der Görlitzer Bahnhof
Der Umbau der Görlitzer Bahn
Der Umbau der Signalanlagen im Bereich der Berliner S-Bahn auf der Görlitzer Bahn
Bilder von den Gleisanlagen zum Görlitzer Bahnhof im Bereich der Grenzanlagen
Eine Zugfahrt durch das Grenzgebiet
Bilder von den ehemaligen Gleisanlagen zum Görlitzer Bahnhof - 2009
Gleisplan über den Kreuzungsbereich der Ringbahn/Görlitzer Bahn


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Görlitzer Bahnhof Sonnenallee Treptower Park


Text und alle Bildbearbeitungen:
Mike Straschewski

weiterführender Text:
Zwischen Stralau und Rummelsburg - 130 Jahre südöstliche Ringbahn (Teil 2); Peter Bock; Verkehrsgeschichtliche Blätter; Heft 2/1998

Danksagung:
Der Autor bedankt sich bei Uwe Franke für die Bildfreigabe sowie bei Mario Klewer und Gordon Charles für die Vermittlung des Kontaktes.

letzte Änderung:
12. Oktober 2014

Veröffentlichung:
15. März 2009

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