Arbeiten auf dem Stellwerk Swt


Der ehemalige Eisenbahner Detlef Rudnick erinnert sich:

Als ich 1974 meine Lehre bei der Deutschen Reichsbahn (DR) begann, fand u.a. die Ausbildung auch auf dem Stellwerk Swt statt. Das faszinierende an diesem Stellwerk war, das es alle Formen des Strecken- und Bahnhofsblocks in sich vereinte, obwohl es an einer sehr ruhigen Strecke lag. Zudem war es mechanisch bedient. Die Gewichte des Spannwerks waren genau unter dem Fahrdienstleiterraum. Diese Idealeigenschaft eines Stellwerkes gab es sonst nicht und aus diesem Grund wurde es sehr gern von der DR als Ausbildungsstelle benutzt.

Als ich das Stellwerk zum ersten Mal betrat, hatten die Schrankenbäume des Wegüberganges Bernstadter Weg noch die klassischen Hängegitter. Diese wurden noch während meiner zweijährigen Lehrzeit abmontiert. Der Fahrdienstleiter (Fdl) Swt regelte die Ein- und Ausfahrt der S-Bahnzüge von und nach Spindlersfeld. Die Weichen wurden nur für die einmal tägliche Überführungsfahrt benutzt und auch nur dann wurde das Wärterstellwerk SPF (am Ende der Ladestraße in Spindlersfeld) besetzt, da zwischen den beiden Stellwerken der Bahnhofsblock zu bedienen war.

Swt war sehr schön idyllisch gelegen. Ein damaliger Fdl hatte den Dienstraum sogar tapeziert! Die Fenster (alle bis zum Fußboden reichend) waren extrem undicht. Diejenigen, welche man nicht benötigte, waren unterhalb ständig mit Wolldecken verhangen, um die kalte Zugluft im Winter abzuhalten. Das Stellwerk hatte keinen Wasseranschluss und entsprechend auch kein WC! Für die Notdurft gab es einige Meter entfernt ein "Plumpsklo".
Genau vor dem Stellwerk existierte eine alte gusseiserne Wasserpumpe, die Im Winter auch ringsum mit glühenden Kohlen "verziert" wurde, damit sie nicht einfror. Sie war der einzige Wasserspender für die gesamte Schicht. So gehörte es nicht nur zum winterlichen Ritual für einen zünftigen Schichtwechsel der Ablösung den obligatorischen Eimer Kohlen hinzustellen, sondern auch einen extra dafür hergerichteten Wassereimer aufzufüllen und ebenfalls in den Dienstraum hochzuschleppen. Für einen Kaffee o.ä. wurde dann aus diesem Eimer Frischwasser mit einem Topf geschöpft. Wohlbemerkt, damit es auch immer möglichst frisch war, wurde es zu jedem Schichtwechsel erneuert, ganz gleich, wieviel bereits aus dem Eimer verbraucht war.
Das waren natürlich Verhältnisse, die man sich heute kaum vorstellen kann und dennoch, war das Arbeiten auf Swt geradezu genügsam. Eine himmlische Ruhe, frei von jeglichem Stress machte den Aufenthalt dort insgesamt sehr angenehm. Schade, dass Relikte dieser früheren Privatbahn einfach beseitigt wurden.

Bild: Stellwerk Swt

Das Stellwerk Swt bediente den Bahnübergang und das Einfahrsignal A bzw. das Ausfahrsignal C sowie die Weichen 1 und 2 (um 1983).

Vielleicht noch ein Detail aus den fünfziger Jahren: Der Fdl, der auch das Stellwerk tapezierte, erzählte mir damals, dass in den fünfziger Jahren in einer nächtlichen Betriebspause die Stromschienenspannung versuchsweise von einem extra angefahren mobilen Unterwerk mit 1,5 kV gespeist wurde. Die Reichsbahn hatte wohl im Hinblick des kurze Zeit später gebauten "Blauen Wunders" (BR ET 170) testen wollen, inwieweit die vorhandenen Isolatoren zwischen Stromschiene und deren Träger diese Erhöhung aushalten. Der Versuch soll gescheitert sein. Nachdem einige Isolatoren zu glühen begannen, soll der Versuch abgebrochen worden sein. Möglicherweise spielte die Reichsbahn seinerzeit mit dem Gedanken für eine neue Fahrzeuggeneration die Stromschienenspannung höher anzulegen. Wenngleich man das aus heutiger Sicht eher als Illusion bezeichnen muss!

Auch Oberspree war faszinierend. Die alten Stellwerksanlagen dort (innerhalb des Aufsichtsraumes) waren zwar stillgelegt (der Streckenblock überbrückt) aber vollständig vorhanden. In Oberspree standen die Spanngewichte neben den Gleisen (also waren außerhalb montiert).
Noch ein Highlight war der Bahnübergang in Oberspree mit den riesigen Schrankenbäumen, die so lang waren, dass pro Schrankenbaum eine Kurbel existierte (auf Swt hat man mit einer Kurbel beide Bäume zusammen bedient).

Auch in Oberspree hatten die Schranken noch diese Gitter, wurden zeitgleich mit denen von Swt von der damaligen Signal- und Fernmeldemeisterei demontiert. Fast alles an dieser faszinierenden Stichbahn war damals noch original vorhanden. Echte geschichtshistorische Werte, denen man sich leider nicht besonnen hat.


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Bearbeitung für die Webseite:
Mike Straschewski

letzte Änderung:
26. Oktober 2008

Veröffentlichung:
26. Oktober 2008

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