Bild: Eichkamp


telegrafisches Kurzzeichen: ?
eröffnet: 1. Mai 1896 (wahrscheinlich als Werkstatt Grunewald/Eichkamp)
elektrischer Betrieb seit: 6. Juni 1928
Station geschlossen: 23. August 1928
Station lag an der Wetzlarer Bahn

Grunewald Westkreuz

Ein Name, zwei Bahnhöfe: Der Bahnhof Eichkamp existierte schon zweimal in Berlin. Einmal an der Wetzlarer Bahn und einmal an der Spandauer Vorortbahn. In diesem Text geht es um den ersteren Standort.

Eröffnet wurde der Haltepunkt am 1. Mai 1896 an der Wetzlarer Bahn als einfacher Mittelbahnsteig. Der einzige Zugang erfolgte von der Werkstattstraße aus mittels einer nach Osten abgehenden Treppe, an deren Ende sich ein kleines Fahrkartenhäuschen befand. Nach Erwerb des Billets erreichte man den unüberdachten Bahnsteig, auf dem sich ein Hampelmann, mehrere Bänke und Lampen sowie Dienstgebäude befanden. Am östlichen Ende bediente ein kleines Stellwerk ein Signal, ein weiteres befand sich südlich des Treppenzuganges genau über dem Gleis Grunewald - Charlottenburg. Aufgrund der tiefen Lage und der verlegten Gleistrasse lag der Haltepunkt in einer Kurve, der Bahnsteig verjüngte sich in Richtung Westen.
Im März 1925 wurde die Werkstattstraße in Cordesstraße umbenannt. Der Namensgeber Heinrich Cordes (1852 - 1917) war ein ehemaliger Leiter des Eisenbahnausbesserungswerkes bzw. der Eisenbahnwerkstatt Grunewald. Auf diesem Gelände, das sich südlich der Gleise befand, ist auch heute noch eine große Wagenabstellanlage der Deutschen Bahn AG vorhanden.

Bild: zwischen Westkreuz und Grunewald

Wo sich heute Bäume und Sträucher befinden, befand sich damals ein kleines Familienrestaurant. Rechts der einfach aufgebaute Bahnsteig mit seinem wenigen Mobiliar (um 1898).
Repro einer alten Postkarte.

Mitte der 1920er Jahre baute die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) den Bereich zwischen der heutigen S-Bahnstation Westkreuz und dem Bahnhof Charlottenburg um. Die Gründe hierfür waren u.a. die Entflechtung des Vorort- und Fernverkehres von und nach Spandau aufgrund der gestiegenen Fahrgastzahlen sowie die Errichtung eines zusammenhängenden Messegeländes für die Stadt Berlin. Um letzteres besser erreichen zu können, plante und erbaute die DRG den neuen Kreuzungsbahnhof Ausstellung. Aufgrund des sich daraus ergebenden zu kurzen Haltestellenabstandes von ca. 800 Metern zum Bahnhof Eichkamp sowie der besseren Erschließung des Gebietes rund um die namensgebende Revierförsterei im Forst Grunewald sollte der Bahnhof an der neuen Strecke der Spandauer Vorortbahn neu entstehen. Dieser Haltepunkt ging am 23. August 1928 in Betrieb. Am gleichen Tag wurde der alte Bahnhof Eichkamp geschlossen und alsbald darauf abgerissen. An ihn erinnert heute nur noch der breite Gleisabstand in Höhe der Brücke der Cordesstraße.

Grunewald Westkreuz

Autor:
Mike Straschewski

Danksagung:
Der Autor dankt dem Siedlerverein Eichkamp e.V. für die freundliche Unterstützung.

Quellen und weiterführende Buchtipps:
Berlins S-Bahnhöfe; Jürgen Meyer-Kronthaler/Wolfgang Kramer, be.bra Verlag, 1998
Postkarten von 1899 und 1909
Luftbildaufnahme von 1928
Webseite: www.beefland.de/berlin/fernbahnen/wetzlar/index.html

weiterführende Links:
Der Bahnhof bei Google Maps

Veröffentlichung:
20. Dezember 2010


letzte Änderung des Textes: 21. Dezember 2009

Bilderseite für Eichkamp - Wetzlarer Bahn


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